In einem Satz

Soziokratie ist eine Sammlung von Prinzipien und Werkzeugen, um zu ermöglichen, dass Entscheidungen von denen getroffen werden, die von Ihnen betroffen sind und um den Raum für eine achtsame und effektive Zusammenarbeit zu öffnen.

Historie

Der Begriff der Soziokratie wurde von Auguste Comte im 19ten Jahrhundert geprägt aber erst in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhundert von Kees Boeke, einem Lehrer, Quäker und Pazifist, mit Leben gefüllt. Er nutzte es um damit seine selbstgegründete freie Schulen in den Niederlanden zu organisieren.

Gerard Endenburg war ein Schüler dieser Schule. Als er in den 70er Jahren die Firma seines Vater übernahm, nutzte er die Grundsätze und Prozesse die er aus seiner Schulzeit kannte und wandte diese auf sein Unternehmen Endenburg Elektronik an. Es klappte so gut, dass er auf die Idee kam diesen Ansatz auch anderen Unternehmen zugänglich zu machen und gründete The Sociocracy Group (TSG).

John Buck aus den Vereinigten Staaten von Amerika arbeitete dann seit den 90er Jahren mit Gerard Endenburg zusammen. Ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit war das Buch „We the People: Consenting to a deeper Democracy“, welches er mit Sharon Villines herausgab und damit Soziokratie zu einer deutlich größeren Popularität außerhalb der Niederlande verhalf.

2014 entwickelten dann der zu der Zeit aktivste Soziokratie Trainer James Priest (UK) und der Agile Coach Bernhard Bockelbrink Soziokratie 3.0 und vereinigten damit die Methoden des agilen Arbeitens mit der Soziokratie.s

Hauptbestandteile

Der Konsent

Bei Entscheidungen im Konsent gilt der Grundsatz, dass ein Vorschlag angenommen ist solange es keinen triftigen Einwand gibt der dagegen spricht. Validiert werden Einwände anhand der Fragen:

  • Würde dieser Vorschlag unserer Organisation schaden?
  • Würden wir durch diesen Vorschlag entscheidende Chancen verpassen?

Diskussionen um Entscheidungsvorlagen werden außerdem immer von dem agilen Ansatz „Good enough for now. Save enough to try“ (Gut genug für jetzt und sicher genug es auszuprobieren.) geleitet.

Kreise und Verlinkung

Da für manche Aufgabengebiete in einer Organisation eine Person in einer Rolle nicht ausreicht, können Kreise (Teams) gegründet werden. Diese Kreise haben einen klaren Fokus (Treiber) und können wieder aufgelöst werden, sobald ihr Treiber erfüllt ist.

Damit Informationen und Werte zwischen Kreisen fließen, können und sollten diese miteinander über Repräsentanten verlinkt werden.

Rollen und Rollenwahl

Über Rollen verteilt man die Verantwortlichkeiten und Hoheitsgebiete die verteilt werden müssen, damit die Organisation ihrem primären Zweck (Treiber) folgen kann.

Diese Rollen werden zusammen entwickelt und im Konsent verabschiedet. Durch einen offenen Wahlprozess, der statt mit Mehrheiten, mit dem Wissen und der Weisheit der Gruppe arbeitet, werden die Rollen auf Personen verteilt. Auch diese Wahl nutzt den Konsent.

Großer Vorteil der Rollen ist, dass Verantwortlichkeiten und Hoheitsgebiete nicht an Personen direkt hängen und damit die Organisation deutlich flexibler und wiederstandsfähiger ist.

Agiles Arbeiten

Damit offene Entscheidungen und Aufgaben erledigt werden, bedient sich Soziokratie 3.0 den Kanban Broads aus der agilen Welt. Je Kreis (Team) gibt es zwei. Eines für die operativen Aufgaben die erledigt werden müssen und eines für aufkommende Spannungen zu denen Entscheidungen getroffen werden müssen.

Weitere Patterns

Neben den oben erwähnten Hauptbestandteilen bringt die Soziokratie und im Besonderen die Soziokratie 3.0 sehr viele weiteren Werkzeuge und Patterns mit, die einen positiven Impact auf eine Organisation haben.

Untenstehende Grafik die ich von sociocracy30.org übernommen habe, gibt hier einen kleinen Ausblick 😉 

Vorteile

Hier ein Auszug der positiven Veränderungen welche die Soziokratie in Ihrer Organisation bewirken kann.

Durch die gemeinsame Definition und flexible Weiterentwicklung eines gemeinsamen primären Grunds (Treibers) kann jede Entscheidung und jeder Einwand klar validiert werden.

Durch die Entscheidung als Team im Konsent ist sichergestellt, dass jeder die Möglichkeit hat, mögliche Gefahren und negative Konsequenzen welche die Entscheidung hätte als Einwand vor zu bringen und Verbesserungsvorschläge zu machen.

Durch die Nutzung agiler Methoden in allen Bereichen des Unternehmens, auch für Dinge die besprochen und entschieden werden müssen, steigt die Effizienz in der Organisation deutlich.

Durch klare Prozesse und Kommunikationsregeln innerhalb Besprechungen werden Meetings selten, bei denen nur viel geredet aber wenig erreicht wird. Daneben geben diese Regeln auch jedem das Recht und die Möglichkeit zu Wort zu kommen.

Durch die zentrale Definition von Rollen mit Verantwortlichkeiten und Hoheitsgebieten, weiß jeder wer sich um was kümmert und was er frei ohne andere entscheiden kann. Dies erhöht die Effizienz der Organisation enorm.

Aufbauend auf einer Struktur aus Kreisen und Unterkreisen die anhand von fachlichen Abhängigkeiten und über Abgesandte frei miteinander verbunden werden können, entsteht eine sich stets weiterentwickelnde auf den primären Grunds (Treibers) ausgerichtete Organisation.

Durch die strukturierte gemeinsame Behandlung von aufkommenden Spannungen und durch ein Ablaufdatum, welches jede Entscheidung irgendwann zur Wiedervorlage bringt, kann zeitnah auf die Veränderungen unserer komplexen Umwelt reagiert werden.

Aufgrund des klaren gemeinsamen primären Grunds (Treibers) und der gleichen Rechte aller an Entscheidungen und der Weiterentwicklung der Organisation mitzuwirken, wird eine deutlich höhere Identifizierung erreicht und politische Machtspiele verhindert.