Die Schwarm-Metapher

Letztlich bin ich ziemlich früh aufgewacht und könnte nicht mehr schlafen. Alles lag noch in diesem fahlen Licht des Tagesanbruchs. Wie es oft so ist, konnte ich nicht mehr schlafen und Gedanken kreisten in meinem Kopf.

Ich dachte über einen bevorstehenden Vortrag zum Thema Soziokratie nach und wie ich die Vorteile gegenüber Konsens und Hierarchie auf einfache Weise erklären könnte. Nach einigem Grübeln kam mir plötzlich das Bild eines Fischschwarms in den Kopf. Diese unglaublich schöne Ansammlung von Hunderten oder gar Tausenden von Fischen die sich wie ein Körper bewegen.

Der Hierarchische Schwarm

Ich versuchte mir dann vorzustellen, wie ein hierarchisch organisierter Schwarm aussehen müsste und musste schmunzeln. Vor meinem geistigen Auge entstand eine Art Pyramide dessen Spitze nach vorne zu läuft. Ganz vorne ist der Chef-Fisch und Ebene nach Ebene kommen die nächsten Fische dahinter. Wenn der Chef-Fisch entscheidet nach rechts zu schwimmen ziehen die anderen Ebene um Ebene nach.

Was würde jetzt passieren wenn ein Raubfisch von hinten kommt und den Schwarm jagt? Da der Chef-Fisch vorne den Raubfisch nicht sieht, kann der ganze Schwarm erste reagieren wenn die Information von den hinteren (unteren) Ebenen zu ihm durchgedrungen ist. Da es von einer Ebene zu nächsten weitergeleitet wird, kann der Schwarm nur hoffen, dass die Nachricht am Schluss auf vollständig und richtig beim Chef-Fisch angekommen ist. Dann ändert er die Richtung und Ebene um Ebene beginnt der Schwarm auszuweichen. Schon alleine wie lange es dauert dieses Szenario zu beschreiben zeigt, wie langsam der Schwarm reagieren würde und wie viele Fische dabei im Maul des Raubfisches landen würden.

Der Konsens-Schwarm

Sollte der Schwarm im Konsens entscheiden wo es hingehen soll würde wahrscheinlich gar kein Fisch mehr übrig bleiben, da ja alle mit allen erst besprechen und sich einigen müssen welche Richtung denn nun die optimale ist.

Schwarmintelligenz und Soziokratie

Schauen wir uns jetzt einfach mal an wie ein Fischschwarm es schafft so schnell und elegant Fressfeinden auszuweichen. Jeder Fisch orientiert sich an den Fischen neben Ihnen. Jeder Fisch kann eine Richtungsänderung initiieren sobald er eine Gefahr für sich und den Schwarm wahrnimmt. Diese Richtungsänderung wird von seinen Nachbarn wahrgenommen und auch diese ändern ihre Richtung. In Windeseile weicht der ganze Schwarm aus.

Statt Fressfeinden auszuweichen gilt es bei Organisationen auf die komplexen Veränderungen der Bedingungen außer- und innerhalb der Gruppe zu reagieren. In der Soziokratie funktioniert dies ganz ähnlich wie beim Fischschwarm. Da jeder gleichberechtigt Spannungen die er wahrnimmt kommunizieren und Vorschläge dazu machen kann, kann jeder die Richtung der Organisation mitbestimmen. Über die Verlinkung der Kreise fließt diese Information, wenn relevant, in die benachbarten Teams und von da aus weiter in die gesamte Organisation.

Als Rollenspiel

Ich kann mir gut vorstellen, dass man diese Metapher auch in Form eines Rollenspiels innerhalb von Trainings und Workshops einsetzen kann.

Erstmal muss man raus gehen, da man Platz braucht 🙂 1 – 2 Teilnehmer werden als Raubfische ausgewählt. Ihr Ziel ist es so viele Fische wie möglich zu berühren. Wird ein Fisch berührt scheidet er aus dem Spiel aus und geht in die Hocke. Sowohl Fische wie Raubfische dürfen nur kleine Schritte machen um das Spiel zu verlangsamen, allerdings darf der Raubfisch etwas schneller laufen.

In der ersten Runde wird zum Chef erklärt und alle anderen stellen sich in länger werdenden Reihen hinter ihm auf. Als Ziel wird irgendein Punkt in 20 – 30 Metern Entfernung angegeben. Der Schwarm soll diesen Punkt erreichen. Der Raubfisch nähert sich am Anfang von hinten und kann danach frei entscheiden wie er den Schwarm attackieren will.

In der nächsten Runde gibt es keinen Chef und alle müssen sich darauf einigen wo es hingehen soll. Der Schwarm geht wieder auf die Ausgangsposition. Der Raubfisch kommt am Anfang vom Ziel aus direkt auf den Schwarm zu und kann danach wieder frei entscheiden wie er attackiert.

In der letzten Runde stellen sich alle Fische in einem einem Runden Schwarm auf. Jeder sucht sich zwei Fischen neben sich mit denen er ein Dreieck bildet und versucht im Verlauf des Spiels immer in diesem Dreieck zu bleiben kann aber bei Gefahr ausbrechen und die Richtung selbstständig ändern.

Nach den drei Runden kommen alle zusammen und besprechen ihre Beobachtungen.

Erfahrungsaustausch

Solltet ihr dieses Spiel mal probieren, wäre ich super glücklich über Kommentare. Auch ich werde es bei nächster Gelegenheit testen und mit euch hier meine Erfahrungen teilen.

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